Und das tolle an diesem Trend ist, dass der Kohl noch nicht mal aus fernen Ländern importiert werden muss. Er wächst um die Ecke.

Kohl gehört zur Familie der Kohlgewächse =Brassicaceae. Leute, die früher Botanik gelernt haben, kennen diese Pflanzenfamilie eher als Kreuzblütler. Und dazu gehören auch Zierpflanzen wie z.B. der Goldlack, Silbertaler oder einige Steingartenstauden wie das Alyssum oder Steinkraut. Aber bleiben wir bei den Gemüsen. Der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt hatte bereits 2006 den Kopfkohl zum Gemüse des Jahres erklärt. In den Jahren 2025 und 2026 wird dem Blattkohl diese Ehre zuteil. Dahinter „verstecken“ sich einerseits Weißkohl, Rotkohl, Wirsing,Spitzkohl, andererseits solche auffälligen Gemüse wie der Grünkohl.

Spitzkohl grün. Im Laden sind die wertollen dunkelgrünen Blätter entfernt
Spitzkohl gibt es auch in rot – aber nur, wenn man ihn selbst anbaut

Auch der Kohlrabi gehört zu den Blattkohlen. Dass die Blätter ebenfalls gegessen werden, erlebte ich erstmals 1990 auf Sizilien. Das geht natürlich nur, wenn man den Kohl selber anbaut und nicht mit so genannten Pflanzenschutzmitteln behandelt. Weitere Arten, die diesem Blattkohl zugerechnet werden, zeigt das Foto unten. Der ganze Inhalt des unten abgebildeten Flyers ist hier zu finden: Nutzpflanzenvielfalt.de/Blattkohl

Etwas ist dem Trend zu danken. Während der Grünkohl früher als typisch norddeutsch galt und mit deftigen Fleisch- und Wurstbeilagen stundenlang gekocht wurde, so hat er schon lange Einzug in die vegetarische Küche gefunden und wird z.B in Smoothies roh verzehrt. Er ist weg vom „Arme-Leute-Essen“. Lesen Sie mal Bücher aus den 1920 – 1950er Jahren, wie oft da vom typischen „Kohlgeruch im Treppenhaus“ die Rede ist. Kohl war billig. Aber um den Kohl auf sein maximales Gewicht zu bringen (der Ismaninger Weißkohl kann bis zu 10kg schwer werden, das Filderkraut immer noch 5-8kg) wurde auf Deubel komm raus mit Jauche gedüngt – oder auch mit dem Inhalt der Grube unter dem Klohäuschen. Das klingt für uns heute nicht nur unappetitlich, es war es auch, denn dabei wurden jede Menge Krankheitserreger übertragen. Stundenlanges Kochen war die einzige Bekämpfungsmöglichkeit. Lange Zeit galt sogar eine rohe Karotte als gesundheitsschädlich. (Manche Gemüse wie z.B. die Bohne sind roh tatsächlich giftig. Sie wurde daher zur „Giftpflanze des Hahres 2026“ erklärt. Dazu mehr in einem späteren Artikel).

In Deutschland gibt es zwei Haupt-Anbaugebiete für Weißkohl. Die Stuttgarter Fildern und Dithmarschen. Für alle Museums-Fans: Dithmarschen verfügt sogar über ein „Kohlosseum“ (kohlosseum.de). Der Kohl liebt die Nähe zum Meer. Es gibt dort auch den essbaren Meerkohl und den ausdauernden Helgoländer Klippenkohl, der als eine Urform unserer Kopfkohle gilt. Für den Filderkohl wurde sogar mal eine eigene Eisenbahnlinie gebaut, um ihn zügig in die Elsässer „Choucroute garnie-Gebiete“ zu transportieren. Weißkohl wird in Deutschland auf 5500ha Fläche angebaut.

Bei allen Kohlarten gibt es eine Vielzahl von Sorten, abhängig von der Erntezeit oder der Herkunft, Verwendung, Farbe usw. Spannend finde ich den Grünkohl, der in neuen Hybridsorten bodennah daherkommt (maschinelle Ernte), aber in alten Sorten wie Oldenburger Palme oder Lippische Palme locker mal 2.50m hoch wird. Das Foto aus dem Nutzgarten am Tropengewächshaus Witzenhausen zeigt, wie klein im Vergleich die Besucherin daneben ist.

Foto Maria Madani, VEN e.V.

Rezepte folgen in späteren Artikeln. Wer mehr über den Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzen wissen will, wird im Internet fündig unter nutzpflanzenvielfalt.de. Persönlicher Kontakt ist über mich möglich unter eveline.renell@gmail.com Ich leite die Regionalgruppe Mittelhessen. Nächste Veranstaltung: Saatgutbörse im Hessenpark am 9. März 2026.

Fotos wenn nichts anderes vermerkt Eveline Renell. Das Beitragsbild wurde von einem Buch aufgenommen. Es zeigt die Farbenvielfalt der Kohlsorten in den Stuttgarter Fildern.

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